Hochverfügbarkeit - SAP-Systeme gegen den K-Fall absichern Verfügbarkeit und Performance rauf, Ausfallzeiten runter Viele Unternehmen sind unzureichend auf den Ausfall geschäftskritischer SAP-Anwendungen vorbereitet. Im K-Fall stehen die IT-Systeme oft tagelang still – der finanzielle Schaden ist hoch und Kunden wandern ab. Anders die Winterhalter Gastronom GmbH. Der Hersteller von Spülsystemen hat seine SAP-Prozesse hochverfügbar und ausfallsicher gestaltet – mit IBM Power Systems und redundanten IT-Komponenten in räumlich getrennten Rechenzentren.
Plötzlich war das zentrale SAP-ERP-System mit allen Kernmodulen komplett ausgefallen. Der K-Fall kam buchstäblich „aus heiterem Himmel“, denn ein Blitzschlag hatte im internen Rechenzentrum einen Kurzschluss verursacht. Der Ausfall des SAP-Systems legte das betroffene Unternehmen, einen Fertigungsbetrieb, für zwei Tage lahm.
Kein Lkw rollt mehr vom Hof In dieser Zeit rollte kein Lkw vom Hof, denn die Firma konnte keine Lieferscheine und Rechnungen mehr schreiben. Und auch die Produktion stockte. Wichtige Kunden erhielten bestellte Waren nicht termingerecht, sondern erst Tage später. Aufgrund der Verzögerung kündigte der größte Kunde schlagartig alle Lieferverträge und durch den Imageschaden ließen sich praktisch keine Neu-Kunden gewinnen. Als Folge stand das Unternehmen kurz vor der Insolvenz.
Das fiktive Beispiel zeigt es: Betriebe können in der Existenz bedroht sein, wenn IT-gestützte Prozesse länger ausfallen. Doch nicht nur im K-Fall ist der finanzielle Schaden hoch. Teuer sind auch Ausfälle der zentralen SAP-Anwendungen aufgrund kleinerer technischer Störungen oder wenn diese für Wartungsarbeiten beziehungsweise Release-Wechsel gezielt und planmäßig abgeschaltet werden.
IT-Ausfälle kosten tausende Euro Doch jeder Tag Downtime kostet einen klassischen Mittelständler im Median mehr als 9.000 Euro, eine mittelgroße Firma sogar mehr als 16.600 Euro. Diese Summen hat der IT-Sicherheitsanbieter Symantec in seinem aktuellen „2011 SMB Disaster Preparedness Survey“ errechnet, für den er rund 1.700 Firmen befragte. Doch auch die jeweiligen Kunden verlieren dadurch Geld – im Schnitt rund 400 Euro pro Tag –, etwa weil sie auf benötigte Teile oder Waren warten müssen.
Noch weit höhere finanzielle Einbußen ermittelte das britische Marktforschungsinstitut Coleman Parkes in der europaweiten Untersuchung „The Avoidable Cost of Downtime“, die es im Auftrag von CA Technologies durchführte. Demnach sollen Mittelständler pro Jahr rund 220.000 Euro an Umsätzen einbüßen, wenn ERP- oder CRM-Lösungen abstürzen und länger ausfallen – große Konzerne sogar mehr als 900.000 Euro.
Ohne Downtime fährt man besser Obwohl jeder Ausfall der zentralen Geschäftsanwendungen bares Geld kostet und außerdem das Image dauerhaft ruinieren kann, hat laut der Symantec-Studie nur die Hälfte der befragten Betriebe einen Notfallvorsorge- und Backup-Plan. Die Untersuchung von Coleman Parkes kritisiert außerdem, dass Disaster-Recovery-Prozesse zu lange dauern. Im Schnitt vergehen 22,5 Stunden bis die Geschäftsanwendungen nach einem Ausfall wieder laufen.
Selbst wenn die in beiden Studien ermittelten Daten und Zahlen mit der gebotenen Vorsicht zu verwenden sind – sie zeigen doch eines: Unternehmen kommen um eine adäquate Absicherung ihrer zentralen SAP-Systeme und anderer Business-Applikationen gegen einen K-Fall und den Aufbau hochverfügbarer IT-Prozesse (7x24x365) nicht herum. Beides sind geschäftskritische Faktoren – insbesondere in Firmen, die global über verschiedene Zeitzonen hinweg agieren. Letztere sind zwingend darauf angewiesen, dass von der IT abhängige Betriebsabläufe, ob in der Verwaltung, in der Produktion und Logistik oder zu Kunden und Partnern, reibungslos und in gleichbleibend hoher Qualität laufen. Alles andere wäre fahrlässig.
IT-Prozesse – rund um die Uhr verfügbar Das bestätigt auch Erhard Klein, IT-Leiter bei der Winterhalter Gastronom GmbH. „Deshalb sind hochverfügbare und ausfallsichere IT-Prozesse auf der Basis einer einheitlichen und ausbaufähigen IT-Gesamtarchitektur ein wesentlicher Eckpfeiler in unserer IT-Strategie.“ Zugleich sieht Erhard Klein darin eine wichtige Säule, um die Marktposition von Winterhalter langfristig zu festigen und auszubauen. Der weltweit tätige mittelständische Hersteller von Spülsystemen und Spülküchen mit Stammsitz in Meckenbeuren am Bodensee hat 38 eigene Vertriebsniederlassungen und beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter. Der Exportanteil liegt aktuell bei rund 75 Prozent.
Damit weltweit die Geschäftsprozesse rund um die Uhr ohne Unterbrechung laufen, hat der Varianten- und Serienfertiger für die vor kurzem eingeführten SAP-Systeme ein Hochverfügbarkeitsszenario aufgebaut und diese auch gegen K-Fälle abgesichert. Die SAP-Landschaft besteht aus einem zentralen dreistufigen SAP-ERP-System inklusive der Personalmanagementlösung SAP ERP HCM. Hinzu kommen als zweistufige Systeme, SAP CRM, die SAP-Lösung für den Außenhandel zur ATLAS-konformen Zollabwicklung sowie eine Business-Warehouse-Lösung von SAP.
IT-Komponenten redundant ausgelegt In zwei räumlich getrennten Rechenzentren sind alle IT-Komponenten redundant ausgelegt. Somit gibt es keinen „single-point-of-failure“. Nach dem Vergleich verschiedener Plattformkonzepte und Sizing-Szenarien entschied Winterhalter, die SAP-Systemlandschaft auf IBM-Plattformen zu betreiben. Damit wollte das Unternehmen auch bestehende Investitionen und wichtiges Mitarbeiter-Know-how schützen, denn Business-Systeme von IBM sind seit rund 30 Jahren im Einsatz.
Im Remote-Rechenzentrum wird die bisherige produktive Infrastrukturlösung, ein IBM System i5 Modell 550 POWER5+, als Backup-Maschine eingesetzt. Als Produktiv-Maschine fungiert das neu eingeführte Modell IBM Power 550 Express i Edition mit POWER6-Prozessoren.
Hochverfügbar mit XSM-Clustern Selbst wenn die produktiven SAP-Systeme aufgrund einer Störung oder eines K-Falls ausfallen oder wegen geplanter Wartungsarbeiten heruntergefahren werden: Die SAP-User können jetzt wie gewohnt und fast ohne Unterbrechung weiterarbeiten. Dafür sorgt ein innovatives Hochverfügbarkeitsszenario. „Mit diesem werden wir in Zukunft die ohnehin schon hohe Ausfallsicherheit noch weiter verbessern“, ist Erhard Klein überzeugt. Winterhalter hatte auf der zuvor eingesetzten IBM-iSeries-Plattform innerhalb von fünf Jahren nur elf Minuten an ungeplantem Systemausfall.
Die Hochverfügbarkeitslösung basiert technisch gesehen auf der IBM-Technologie für Cross-Site-Mirroring (XSM) basiert – in Verbindung mit unabhängigen Disk-Pools, sogenannten Independent Auxiliary Storage Pools (iASP). Dazu ist in der Produktiv- und in der Backup-Maschine jeweils ein iASP definiert, welche die XSM-Lösung zu einem Cluster verbindet. Auf diese Weise können alle SAP-Daten laufend automatisch von der Produktiv-Maschine in der gleichen logischen Reihenfolge auf die Backup-Maschine gespiegelt werden. Mit dem Aufbau hatte Winterhalter den SAP- und IBM-Partner basycs GmbH beauftragt.
Für einen raschen und sicheren Datenaustausch zwischen den beiden Rechenzentren ist ebenfalls gesorgt. Dieser erfolgt per Fibre-Channel-Protokoll über vier Glasfaserkabel. Diese sind jeweils paarweise über getrennte Switches miteinander verbunden und per VPN in einem separaten und damit vom restlichen Netzwerk getrennten Bereich gruppiert.
Für den K-Fall gerüstet Auch für den K-Fall ist Winterhalter jetzt gerüstet. Sollte dieser tatsächlich eintreten, kann die IT binnen Minuten vom Produktiv-System auf das Backup-System umschalten. Das zeigten Tests, die basycs durchführte. Sobald das Produktiv-System wieder verfügbar ist, wird die XSM-basierte Spiegelung fortgesetzt und die SAP-Daten zwischen Produktiv- und Backup-System direkt miteinander abgeglichen. Auch dieser Vorgang dauert in der Regel nur wenige Minuten. Nicht zuletzt gewährleistet die leistungsfähige POWER6-Technologie in Verbindung mit dem Betriebssystem IBM i 6.1 eine hohe Performance der produktiven SAP-Applikationen – und somit noch effizientere Geschäftsabläufe.

Fachartikel ist so erschienen in: S@apport Autor: Marcus Boness, Leiter des Geschäftsfeldes SAP Services bei der basycs GmbH
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